Proletin

Sternchenpolitik

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Triggerwarnungen sind gut. Sie warnen z.B. Menschen, die durch Gewalterfahrungen traumatisiert wurden, davor, dass in einem medialen Text Gewaltbeschreibungen zu finden sind. Der Mensch kann sich dann entscheiden: kann ich mir das Lesen des folgenden Textes gerade zumuten oder nicht? Soweit, so gut. 

Allerdings gibt es die Praxis, Triggerwarnungen mit Sternchen und sonstigem zu verzieren. Man liest dann etwa: 

(Triggerwarnung (Verlinkungen inbegriffen): V*rg*w*lt*g*ngsverharmlosungen werden zitiert, Strategien zur Aufrechterhaltung einer V*rg*w*lt*g*ngskultur werden thematisiert und das Wort V*rg*w*lt*g*ng wird mehrfach ausgeschrieben.)

So gelesen auf der Mädchenmannschaft dieser Tage. 

Mich würde nun interessieren, was die V*rg*w*lt*g*ng von Vergewaltigung unterscheidet. Und zwar inhaltlich und in Bezug auf das, was im Kopf der Lesenden ankommt. 
Es ist ja wohl so, dass Triggerwarnungen warnen sollen, und um das zu können, muss der Inhalt klar verständlich sein. Und das ist er in der Tat, Sternchen hin, Sternchen her, auch bei V*rg*w*lt*g*ng. Jeder und jede weiß, was da zu lesen ist und was es heißt. Alles andere führte die Idee der Warnung auch ad absurdum. 
Allerdings frage ich mich, wie man auf die Idee kommt (die dann zu dieser Sternchenpolitik führt), dass das weniger traumatisierend als das Ohne-Sternchen-Wort sei, wo es doch klar lesbar ist – und sein muss – als der Inhalt, vor dem gewarnt wird. Kommt es bei Retraumatisierungen nicht auf den Gedanken im Kopf an? 

Written by proletin

November 6th, 2012 at 10:34 am

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