Männlichkeit: Respekt fürs Ausgebeutet werden

Es ist noch nicht lange her, da habe ich an anderer Stelle zum Gender Pay Gap geschrieben, und wie man Männer, die aufgrund dieses Gaps auf ihre Überlegenheit schließen, kritisiert:

Die 1. Regel des Kapitalisten ist, dass die Arbeitskraft für so wenig Geld als möglich, so viel als möglich leisten soll – und das ist ein totalitärer Anspruch. Er umfasst, dass du anzutreten hast zu Überstunden, im Notfall am Wochenende, dass du nicht in Pflegeurlaub gehst etc. Viele, aber nicht alle Frauen kriegen Kinder – und alleine, dass sie dann zB nicht mehr 25kg-Kartoffelsäcke heben können (evilmel brachte mal das Bsp), schlägt sich in der Kalkulation des Kapitalisten einschlägig wieder. Der sagt dann: OK, du kriegst einen Job (höhere aber, wo es zB auch Weiterbildung braucht, seeeeeehr selten und nur bei Arbeitskräftemangel, also wenns keine Männer dafür gibt), aber halt nur zur Bedingung, dass du weniger kriegst.
Und warum trifft das auch kinderlose Frauen? Na weil der bei der Einstellung nicht wissen kann, wer schwanger wird (und das Gesetz erlaubt ja nicht ohne Grund den Frauen das Schummeln – der Gesetzgeber weiß um die Kalkulation des Kapitalisten), daher exekutiert er die Ausfallswahrscheinlichkeit an *allen* Frauen: zB auch an mir, obwohl kinderlos. Und weil das so ist, kommst auch im Alter, wenn die Kinderfrage eigentlich erledigt ist, nimmer auf denselben Lohn – warst ja schon immer drunter. Die Kapitalisten in ihrer Gesamtheit bringen diesen „materiellen Fakt“ hervor. Die „Minderwertigkeit“ ist eine hergestellte, denn vom konkreten Individuum wird abgesehen.

Wenn ich das weiß, dann weiß ich schon eine Menge über Lohnarbeit, und auch darüber, wie auch Männer drin vorkommen. Ich kritisiere die dann nicht, indem ich moralische Vorschriften erlasse, sondern indem ich mal frage, ob es nicht selten dumm ist, daraus Stolz („Männlichkeit“!) zu ziehen, dass man selber 100% zum Verheizen hergenommen wird! Das ist nämlich das, was die Typen machen, wenn sie Frauen, die in der Lohnarbeiterkonkurrenz schlechter aussteigen, belächeln: Sie belächeln ihre eigene permanente Ausbeutung/Ausbeutbarkeit. Da sind diese Deppen echt stolz drauf – dass sie zur Ausbeutung noch besser taugen (bzw. zumind. vom Kapitalisten so gesehen werden – die das dann auch so umsetzen).

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Heute ist nun Weltmännertag, und die BILD bemüht sich darum, festgehaltenes zu unterstreichen: Respekt und Anerkennung für ihre herausragende Männlichkeit fordern die Männer in der Titelstory da. Und warum und wofür? Sie machen Überstunden, sie arbeiten 10 Stunden am Tag, usw.

Man muss sich schon mal klarmachen, für was Männlichkeit da steht: Dafür, von Staat und Kapital be- und vernutzt zu werden, und darauf auch noch heldenhaft stolz zu sein. Und die Lage, die einen erst dazu bringt, andere reicher machen zu müssen, und der erbärmliche durch die Lage erzwungene Umgang damit (Überstunden etc.): beides nicht nur nicht kritisiert bei der Forderung nach Anerkennung und Respekt, sondern hochgehalten.

Der Respekt, der da gefordert wird, ist der Respekt für die erbärmliche Lohnsklavenexistenz. Diese ordentlich auszufüllen, indem sich Staat und Kapital untergeordnet wird, soll zum Lob gereichen. Praktisch dabei: Anerkennung, Respekt und Lob kosten Staat und Kapital nichts. Den Proleten aber schon: der muss sich all das ja erstmal durch umfassende Ausbeutung verdienen. Wie von der BILD festgehalten: Überstunden, 10 Stunden Arbeit am Tag, usw. Dafür ist man(n) dann aber echt männlich – und das sollte doch wohl respektiert werden, oder?!

PS: Aus Geschichte und Gegenwart ist noch eine leicht andere Version desselben Schmarrens bekannt: Männlichkeit dank Kriegsheldentum. Da bilden sich die als Kanonenfutter in Erscheinung tretenden Untertanen glatt was drauf ein, vom Staat verheizt zu werden.

PPS: Frauen können das auch. Das ganze Gelaber um „starke Frauen“ zeugt davon: Da wird das Faktum, dass auch Frauen hier und heute ums Überleben kämpfen müssen, nicht zum Anlass genommen, mal die Verhältnisse unter die Lupe zu nehmen und zu kritisieren; sondern der Überlebenskampf der Frauen – den Frauen aufgezwungen -, soll belegen, wie toll Frauen doch sind: die schaffen so viel (Mehrfachbelastung). Zynischer geht’s kaum.

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