Open borders

Ein Twitterkommunist meinte:

open borders Politik macht auch alle ärmer … erklär das mal den linksliberalen Keks

Diese Aussage ist aus mehreren Gründen falsch.

  1. „Alle“ werden ärmer? Das möchte ich mal sehen! Behauptet der Knilch aber selber nicht im Fortgang, denn da ist dann von der Konkurrenz am Arbeitsmarkt die Rede. Immerhin: das falsche „alle“ wird so zurückgenommen.
  2. Was heißt Konkurrenz am Arbeitsmarkt? Menschen, die nichts ihr Eigen nennen außer ihrer Arbeitskraft, also der Möglichkeit zur Reproduktion beraubt sind, müssen Menschen finden, die ihnen ihre Arbeitskraft abkaufen. Diese machen das freilich nicht aus Menschenliebe, sondern weil es sich für sie rentiert: unbezahlte Mehrarbeit als Quelle des Gewinns. So bescheiden die proletarische Revenuequelle.
  3. Lohnarbeit ist somit das Mittel der Kapitalisten zur Einsaugung von Mehrarbeit und damit der Schaden der Proleten. Die Gegnerschaft bekommen auch Proleten, die keine Kritik am Kapitalismus haben, tagtäglich ganz praktisch zu spüren: Für Kapitalisten ist der Lohn ein notwendig zu leistender Vorschuss – nur so kommen sie an Proleten, die sie reicher machen sollen und deren Arbeitskraft sie dann kommandieren können -, gleichzeitig aber ein Abzug vom angestrebten Gewinn und damit stets knapp zu halten und zu senken: durch Steigerung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem oder sinkenden Lohn sowie durch Einsatz von Maschinerie zur Freisetzung von Proleten bei gleichzeitiger Intensivierung der Arbeit für die verblieben Proleten.
  4. Das Elend der heutigen Arbeiterklasse ist, dass sie nicht erkennt, dass da sein gegnerisches Interesse mit aller Brutalität gegen sie durchsetzt wird und dementsprechend mit der notwendigen Gegenwehr beginnt, sondern man sich stattdessen dem kapitalistischen „Schicksal“ untertänigst fügt oder – noch schlimmer – Lohnarbeit sehr oft sogar als einzigartige Chance missversteht. Aller schönen Beschäftigungsideologie zum Trotz gestaltet sich das Proletenleben aus genanntem Grund nicht allzu schön – und die Proleten meinen leider nur allzu gut zu wissen, woran das liegt: nämlich an Ihresgleichen im Allgemeinen und an Proleten ausländischer Herkunft im Besonderen. Nicht die Kapitalisten, die aus ihnen Mehrarbeit rauspressen, seien der Gegner, sondern die anderen Proleten seien an ihrer Misere schuld.
  5. Man fragt sich schon, wie das gehen soll: Dass die Behauptung falsch ist, könnte man alleine daran merken, dass es die Kapitalisten sind, die Löhne zahlen & senken und Proleten im Zuge der Produktivitätssteigerung zum Zwecke der Senkung der Lohnkosten pro Warenstück auf die Straße setzen. Proleten verfügen überhaupt nicht über die Möglichkeit, andere Proleten zu verarmen: „Mit der ausschließlichen Verfügung über die Produktionsmittel und damit über die Produkte erhält der Reichtum die Gewalt, anderen die Existenz zu bestreiten.“ Es sind also die Kapitalisten, die mit dem zynischen Hinweis auf die von ihnen verarmten und überflüssig gemachten Proleten die Proleten immer weiter verarmen.
  6. Wer andere Proleten als Gegner in den Blick nimmt, streicht damit die eigentliche Ursache des Proletenelends durch. Weder der Prolet Otto, noch die Proleten Ali oder Ülkü sind die Ursache der proletarischen Armut – sie sind im Gegenteil selber Opfer der Erpressungsmacht der Kapitalisten! Wer propagiert, dass der Zuzug ausländischer Proleten die Ursache für wachsende Armut sei, der bewegt sich im nationalistischen Sumpf zwischen Sozialdemokratie und AfD und erklärt seinesgleichen zu Gegnern statt sich mit ihnen zu verbünden, um die gegnerische Erpressungsmacht aus der Welt zu schaffen. Denn auch bei Zuzug ist die Ursache des Elends die Erpressung der Kapitalisten: die Schar an Überflüssigen verdankt ihre Existenz nur dem Privateigentum an Produktionsmitteln, ganz egal, woher die Proleten stammen! Dass Kapitalisten dann perfide auf die von ihnen produzierten Arbeitslosen verweisen, wenn es ums weitere Lohndrücken geht, streicht das nicht im geringsten durch – man ist ganz schön blöd, wenn man dieser Lüge der Kapitalisten aufsitzt!
  7. Die Wahrheit über die kritisierte Aussage ist somit auch, dass der, der sie tätigt, gar keine Kritik an Lohnarbeit an sich hat, sondern sich nur darum sorgt, seine Revenuequelle Arbeitskraft nicht „ordentlich“ bedienen zu können. Was der Fehler daran ist, sollte längst geklärt sein: Die Bedienung der proletarischen Revenuequelle ist immer und notwendigerweise die Schädigung des Proleten, denn einen Arbeitsplatz gibt es nur, wenn es sich für die Gegenseite rentiert, also bei andauernder Verarmung des Proleten (Differenz zw. Leistung und Lohn) sowie der Verkürzung seiner Lebenszeit dank ausgiebiger Verheizung im Zuge der Ausbeutung!
  8. Im Übrigen bedarf es für das perfide Kapitalistenmanöver keines Zuzugs, denn über die Produktion des relativen Mehrwerts werden andauernd Überflüssige produziert!

PS: Die Krönung des Ganzen ist ja, dass in der kritisierten Aussage drinsteckt, dass die Politik des bürgerlichen Staates etwas sei, wovon man sich als Prolet Schutz vor noch mehr Armut versprechen könne – wenn es denn nur eine cloded border Politik sei. Also gerade die Instanz, die mittels Gewaltmonopol das Privateigentum an Produktionsmitteln durchsetzt und damit die Kapitalisten erst mit ihrer Erpressungsmacht ausstattet!

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