Schnipsel zur Lage der „arabischen Israelis“

November 20th, 2012 by proletin
Teh only democracy in teh barbaric orient with all its wild wild animals!

The phenomenon of ‘unrecognised villages’ in Israel is a perfect microcosm of the way in which Palestinian citizens are, in more than one sense, ‘wiped off the map’. Across the country, but mainly in the Negev, around 90,000 Palestinian citizens live in over 40 unrecognised villages, which the state refuses to legalise, and whose residents ‘lack security of tenure and public services’.

The demolition of Palestinian homes is a widespread phenomenon in Israel, despite some people associating the practice solely with areas under military occupation, like East Jerusalem or the Jordan Valley.

Like in other cases, some of Dahmash’s residents were given the land by the state ‘as compensation for lands from which they had been displaced’ in 1948 and ‘to which the Israeli government prohibited them from returning’.113 Since then, however, officials have refused to ‘zone Dahmash for residential construction’.

Perhaps ‘the most famous case of the internally displaced’ was the (Christian) Palestinians of two villages, Kafr Bir’im and Iqrit.58 The villagers were expelled by the Israeli military in 1948, though were told that the displacement would be ‘temporary’. As the months became years, the Palestinians took their case to the courts. Yet while the case of Iqrit was still pending, Israeli forces blew up every house in the village. Kafr Bir’im, meanwhile, was declared a ‘closed area’ for security reasons, thus requiring a permit for entry: permits the army refused to give. In 1953, after the Finance Ministry had confiscated the land on the pretext that it was ‘abandoned’ and ‘uncultivated’ by the owners, the army destroyed the remaining houses. ‘The lands of the villages were confiscated, declared “state lands”, and leased to Jewish agricultural and urban settlements.’

In the words of Human Rights Watch’s deputy Middle East director: ‘The 600 people of Dahmash are treated as if they don’t exist, while Jewish towns are developed nearby in a way that threatens Dahmash residents’ access to their homes and lands.’114 As Arafat Ismayil, head of the Dahmash village committee, said to me, ‘We’re in the heart of Israel, but we’re not here’.

aus: Palestinians in Israel: Segregation, Discrimination and Democracy

Sternchenpolitik

November 6th, 2012 by proletin

Triggerwarnungen sind gut. Sie warnen z.B. Menschen, die durch Gewalterfahrungen traumatisiert wurden, davor, dass in einem medialen Text Gewaltbeschreibungen zu finden sind. Der Mensch kann sich dann entscheiden: kann ich mir das Lesen des folgenden Textes gerade zumuten oder nicht? Soweit, so gut. 

Allerdings gibt es die Praxis, Triggerwarnungen mit Sternchen und sonstigem zu verzieren. Man liest dann etwa: 

(Triggerwarnung (Verlinkungen inbegriffen): V*rg*w*lt*g*ngsverharmlosungen werden zitiert, Strategien zur Aufrechterhaltung einer V*rg*w*lt*g*ngskultur werden thematisiert und das Wort V*rg*w*lt*g*ng wird mehrfach ausgeschrieben.)

So gelesen auf der Mädchenmannschaft dieser Tage. 

Mich würde nun interessieren, was die V*rg*w*lt*g*ng von Vergewaltigung unterscheidet. Und zwar inhaltlich und in Bezug auf das, was im Kopf der Lesenden ankommt. 
Es ist ja wohl so, dass Triggerwarnungen warnen sollen, und um das zu können, muss der Inhalt klar verständlich sein. Und das ist er in der Tat, Sternchen hin, Sternchen her, auch bei V*rg*w*lt*g*ng. Jeder und jede weiß, was da zu lesen ist und was es heißt. Alles andere führte die Idee der Warnung auch ad absurdum. 
Allerdings frage ich mich, wie man auf die Idee kommt (die dann zu dieser Sternchenpolitik führt), dass das weniger traumatisierend als das Ohne-Sternchen-Wort sei, wo es doch klar lesbar ist – und sein muss – als der Inhalt, vor dem gewarnt wird. Kommt es bei Retraumatisierungen nicht auf den Gedanken im Kopf an? 

Wissenschaftsbetrieb, hautnah

August 5th, 2012 by proletin

Letztens wurde mir wieder mal erzählt: Es gibt da draußen zahlreiche Studierende, die davon ausgehen, dass sie mal ihren Platz finden werden im Wissenschaftsbetrieb AKA Uni, dass sie dann da lauter tolle Sachen machen werden, dass sie dann von da aus die Welt verbessern werden. Man erzählte mir also was, was ich schon wusste. Entsetzt war ich trotzdem. Von dieser Naivität, die nicht sehen will, wie und wie viele verheizt werden im und durch den Wissenschaftsbetrieb, gnadenlos.

Wissenschaftsbetrieb, das ist ähnlich wie Journalismus: Zuallererst sollst du dir einbilden, dass dein Beitrag wahnsinnig wichtig ist. Für „uns alle“. Wenn dir das einleuchtet — du dir also den passenden Idealismus zugelegt hast –, dann wird dir mitgeteilt, dass ein Großteil deines Lohnes aus der Ehre besteht, einen Beitrag leisten zu dürfen. Hackeln im Wissenschaftsbereich heißt zunächst: prekär arbeiten. Und für die meisten wird das „zunächst“ zu einem dauerhaften Zustand. Und auch dafür musst, sollst du immer dankbar sein.

Danke für den Lehrauftrag, auf Werkvertragsbasis, 600 oder 700 Euro fürs ganze Semester. Juhu, Standard in Deutschland, in Österreich gibt es manchmal etwas mehr! Aber auch dahin muss man ja mal kommen. Das Ergebnis einer Errechnung des Stundenlohns, alle „inoffiziellen“ Arbeitsstunden eingerechnet, für eine wissenschaftliche Hilfskraft (Österreich) ergab Mitte der 2000er: 2 Euro.

Da denkt man sich: mach ich nicht! Doch dann denkt man sich: doch, muss ich machen, das steigert die Chance später auserwählt zu werden. Nur: so denken alle. Also reißen sich alle darum. Schlussendlich reißen sich die Hoffenden auch um unbezahlte Lehraufträge. Na klar gibt es die, denn die unbezahlten Lehrbeauftragten müssen ja dankbar sein, das machen zu dürfen: Lehrerfahrung, für den Lebenslauf. Noch bei jedem „Angebot“, bei dem einer das Kotzen kommt, weil man da nur noch ärmer wird, wird man daran erinnert, dass man es da mit einer einzigartigen Großzügigkeit zu tun hat. — Und, das ist der schlechte Witz bei der ganzen Sache: die meisten sind auch dankbar. Bis um Umkippen. Stichwort Burnout. Ich habe diesen Fehler auch gemacht. Jahrelang.

Man kann das alles durchziehen. Aber bitte doch nicht so naiv, doch bitte nicht ohne Plan B. Es schaffen immer nur wenige, nämlich jene, die sich in der enormen Konkurrenz durchsetzen. Die anderen landen promoviert oder gar habilitiert in der Langzeitarbeitslosigkeit. Und nur zur Klarstellung, falls jemand meint, man könne auch in der Arbeitslosenverwaltung wichtige wissenschaftliche Beiträge erbringen, die für den Betrieb namens Wissenschaft von Interesse sind: Nein, kann man nicht, man wird ignoriert werden. Es kommt niemand daher und segnet Langzeitarbeitslose mit Aufmerksamkeit. Und selber kann man sie sich nicht schaffen, denn man wird auf Tagungen fehlen. Usw.

Übrigens Tagungen: Wer sich das als nettes Miteinander vorstellt, wo man gemeinsam an der Lösung für ein Problem arbeitet, sollte sich das noch mal genauer anschauen. Tagungen: das sind Events, wo KonkurrentInnen aufeinander treffen. Tagungen sind dazu da, andere fertigzumachen, um selber gut dazustehn. Die Unteren machen das, um vorwärts zu kommen. Die Oberen machen das, um ihre „Schule“ zu fördern. Es geht bei Tagungen um alles mögliche, aber sicher nicht darum, sich kooperativ einen Gegenstand zu erklären.

Nicht lange reden will ich von jenen, die kritisch sind. Äußern sie die Kritik, sind sie unten durch: da gibt es dann auch ganz schnell keine tollen prekären Arbeitsverhältnisse mehr. Und ja, das gilt auch dann, wenn der oder die Vorgesetzte sich selber als mordskritisch gibt. Selber erlebt. Also: Maul halten, nachbeten, ein bisserl kritisch, aber immer bauchpinselnd dosiert. Da ist der Idealismus dann auch mal weg. Kein Fehler.

Also: man kann sich das vornehmen, aber dann nicht so naiv. Das heißt dann aber auch: ja, ich stelle mich jetzt bewusst in Konkurrenz zu allen anderen. Wenn es um eine Stelle geht und eine Freundin bewirbt sich auch, dann muss ich sie ausstechen — mit den Konkurrenzmitteln des Wissenschaftsbetriebs, die da wären:

Publikationen: Nein, da geht es nicht um eure Weblogs. Die interessieren in Wahrheit kaum jemanden, sind wissenschaftlich nicht relevant. Relevant sind Beiträge in wissenschaftlichen Sammelbändern oder Journals, am besten mit Peer review. Auch das Publizieren einer Monographie in einem anerkannten Verlag steht einer gut: das kostet z.B. beim VS Verlag gleich mal ein paar tausend Euro. Ja, richtig gelesen, ihr zahlt dafür. Und ja, ihr layoutet trotzdem selber etc. — Auch so ein Verlag will an der Verzweiflung und der Konkurrenz unter WissenschafterInnen was verdienen, eh klar.

Tagungen: Nein, da meint man nicht das x-te Treffen mit den Homies im nächsten Freiraum. Sondern das oben beschriebene. Also Call for Papers, hoffen, dass man genommen wird, Tagungsbeitrag zahlen, Reisekosten zahlen (manchmal hat man Glück und man kriegt auch als jemand am Arsch der Hierarchie einen mickrigen Zuschuss), dort sich aufpudeln. Networken mit Leuten, auch wenn man nicht alles richtig findet, was die machen oder sie eigentlich unsympathisch findet: die haben aber Stellen und Projekte etc. Also Buckeln.

Lehrerfahrung: zur Not unbezahlt, siehe oben.

Das alles für den Lebenslauf.  Projektarbeit ist auch erwünscht.

Kritik an denen, die oben sitzen und eine vielleicht auf eine Stelle bringen: sollte man sich sparen. Kritik ist de facto erst möglich, wenn man eine unbefristete Stelle ergattert hat, eine unbefristete Professur. Auch befristete Professuren können abgesägt werden, wenn der oder die InhaberIn zu kritisch ist. Ich durfte das beobachten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Legt den Wissenschaftsidealismus ab. Das erspart euch die Scheiße zwar nicht, aber ihr zerbrecht wenigstens nicht psychisch daran. Und ihr könnt dann auch besser abschätzen, wann mal Schluss ist. Und dieser Schlusspunkt kommt bald. Anders formuliert, der Kommentar einer der Oberen angesichts der Bewerbung einer 28-Jährigen auf eine Dissertantenstelle: „Zu alt.“ Denn, das hatte ich fast vergessen, man sollte natürlich so schnell als möglich promoviert sein. Bei der Habil ist es nicht so leicht: natürlich nicht zu spät; aber zu früh auch nicht, denn das verärgert die Profs, die selber später habilitierten. Und das sind ja die, von denen man abhängig ist. Die Tendenz weist trotzdem nach unten: allzu lange Nachdenken sollte man weder bei der Diss, noch bei der Habil. Das, und das ist die Wahrheit, versaut einem das Fortkommen in diesem ach so schönen Wissenschaftsbetrieb.

Sexismus widerlegt sich selbst

August 3rd, 2012 by proletin

In letzter Zeit beschäftigt mich folgende Frage: Inwieweit ist die theoretische Aufhebung der sex/gender-Trennung auf ein — hoffentlich vorläufiges — antisexistisches Scheitern zurückzuführen? Anders formuliert: Wieso ist die Aufhebung dieser Trennung überhaupt von Relevanz? Wieso und weshalb gibt es sie und wieso und weshalb halten sie sehr viele Menschen für ungemein wichtig?

Feministinnen sind früher angetreten mit: „Biologie ist kein Schicksal!“ Damit sollte gesagt sein: „Ich hab zwar keinen Pimmel, aber das rechtfertigt in keinster Weise eine gesellschaftliche Verortung, die dann mein Leben bestimmt; die Zuweisung von angeblich geschlechtsspezifischen Aufgaben, Pflichten etc.!“

Gerichtet war das an die SexistInnen (ja, auch Frauen), die meinten, die biologische Ausstattung determiniere den Menschen. Beziehungsweise korrekter: die das behaupteten. Weil: würde die Biologie tatsächlich determinieren, dann gäbe es für die SexistInnen dieser Welt ja weit und breit keinen Anlass zur Klage. Alle Menschen ohne Pimmel würden, von der Biologie diktiert, brav so daher marschieren, wie es sich SexistInnen erträumen.

Weiter gedacht: Würde die Biologie die Menschen determinieren, dann gäbe es keine SexistInnen. SexistInnen gibt es gerade, weil die kleinen Unterschiede so gut wie gar nichts diktieren. SexistInnen sind dann jene Menschen, die immer wieder brüllen: „Aber das geht doch gar nicht! Aber so soll und darf das nicht sein!“ Und während sie kläffen, „Das ist wider die Natur!“, sind sie schon längst widerlegt, denn das, worüber sie sich aufregen, könnte es ja gar nicht geben, wäre es wider die Natur.

Pimmel hin, Muschi her: Der Umstand, dass es SexistInnen gibt, ist somit der Beweis dafür, dass Sexismus falsch ist. Das ist das praktische: diese Ideologie widerlegt sich selbst. Darüber können auch die hilflosen Rekurse der SexistInnen auf „Gott“, Nation, Vaterland usw. nicht hinwegtäuschen. Dabei handelt es sich um die verzweifelten Versuche, das sexistische Weltbild am Zerbröckeln zu hindern. Das Ergebnis ist aber stets dasselbe: Gerade weil es keinen biologischen Determinismus gibt, konstatieren SexistInnen immer wieder die Schädigung der hohen Werte „Gott“, Vaterland usw. Die Klage über die Schädigung ist ihnen ja nur möglich, weil — richtig geraten! — Biologie nichts diktiert! Würde Biologie diktieren, wären Frauen und Männer ja gar nicht dazu in der Lage, so zu handeln, denken, dass dabei — nach Meinung der SexistInnen — eine Schädigung von was-auch-immer heraus kommt.

Damit, liebe Damen und Herren Frauen und Männer, ist das Thema eigentlich schon erledigt. Könnte man meinen. Aber damit täuscht man sich. Denn ganz offensichtlich hat sich ein Teil der feministischen Szene das Biologie-Argument der SexistInnen einleuchten lassen. Anders kann ich es mir derzeit nicht erklären, dass so viel Zeit und Energie damit verschwendet wird, biologische Differenzen zu leugnen. Biologische Differenzen, die sich durchaus vielfältiger gestalten als nur Mann und Frau. Aber, eben, vorhanden sind.

Was stört an der Biologie? Wieso leugnet man sie? Ja wohl, weil man derselben Ansicht ist wie die SexistInnen: dass Biologie determiniere. Und weil einem der Determinationsgedanke nicht passt und einem kein ordentliches Argument dagegen einfällt: schafft man den Körper ab.  Das blöde daran: in Wahrheit unterstreicht man damit die ideologische Figur des Sexismus. Das aber wäre gar nicht nötig. Denn, wie gerade erläutert, widerlegt sich Sexismus selbst. Dass trotzdem so viel Zeit und Energie in die Leugnung biologischer Geschlechter gelegt wird, sehe ich so als vorläufiges Scheitern des Feminismus und Antisexismus. Denn die ganze Geschichte macht nur Sinn, wenn man den grundlegenden Gedanken der SexistInnen teilt: dass Biologie entscheidend sei.

Wenn AntisexistInnen Sexismus verharmlosen

August 3rd, 2012 by proletin

Es hat sich in letzter Zeit eine Art Sexismuskritik etabliert, die selber immer wieder in der Verharmlosung von Sexismus resultiert. Ein Beispiel:

‎“wurde den Besucher_innen am Einlass ein Stempel mit der Aufschrift „Slut“ auf den Körper gedrückt“ – natürlich ohne den begriff irgenwie kritisch zu hinterfrage oder sichtbar zu dekonstruieren, nehm ich an… ganz grosse überraschung, dass es dann zu übergriffen kommt, wenn das „frauenfleisch“ gleich im normativen kontext gelabelt wird. ich kotz gleich!

Die Ansicht, dass es ja keine Überraschung sei, dass es zu Übergriffen komme, wenn die BesucherInnen (ja, auch die mit Pimmel) beim Eintritt ein „Schlampe“ auf die Haut gedrückt bekommen, ist vor allem eines: eine knallharte Verharmlosung von Sexismus. Mehr kann man Menschen, die gegenüber anderen sexuell übergriffig werden, kaum entschuldigen. Denn die konnten angesichts des Stempel ja nicht anders, oder? Kein Wunder, oder?

Ausgeblendet bleibt bei diesen Vorstellungen das Subjekt, das übergriffig wird. An seine Stelle tritt die allmächtige Sprache, die das Subjekt determiniert.

Die Argumentation ist identisch mit der von TäterInnen: Auch diese behaupten von sich, sie könnten ja nicht anders, denn: „Minirock“, denn: „Sie hat mich angelächelt“, denn: „Auf ihrem T-Shirt stand ‚Bitch'“ …. Kurzum: „Ich konnte ja nicht anders!“

Dass es sich dabei um eine elende Rechtfertigungsideologie handelt, kann man alleine schon aus dem Umstand ableiten, dass offensichtlich nicht jedeR übergriffig wird, wenn mit einem „Slut“-Stempel oder einem Minirock konfrontiert. Es braucht offensichtlich anderes, damit es zu einem Übergriff kommt.

Andersrum: Wäre es zu keinen Übergriffen gekommen, wenn auf den Stempel verzichtet worden wäre? Und wer ist eigentlich verantwortlich: Die VeranstalterInnen mit dem Stempel oder vielleicht doch der oder die TäterIn?

Wer sagt: „Keine Überraschung angesichts des Stempels“, arbeitet den TäterInnen zu. Denn in diesem Urteil kommt das handelnde Subjekt nicht mehr vor. Das handelnde Subjekt, das mit Wille und Bewusstsein den Willen anderer bricht — und diese Brutalität damit rechtfertigt, nicht anders zu können. „Keine Überraschung angesichts des Stempels!“

Wenn der Stempel weg ist, ist es die Kleidung. Wenn der Minirock durch einen Kartoffelsack ersetzt wurde, ist es das Lächeln. Wenn nicht mehr gelächelt wird, ist es der Blick. Immer ist es alles mögliche, nur nie der Wille des oder der TäterIn.

Da bleibt den Menschen, die Übergriffe setzen, nur noch eines: Sich herzlichst bei denjenigen zu bedanken, die im Diskursgelaber das Subjekt zum Verschwinden bringen. Danke für die Mitarbeit! Die die Tat rechtfertigende Ausrede flutscht wie eh und je — und wird mittlerweile sogar noch von erklärten AntisexistInnen geteilt!

Hallo Leser☭in!

August 2nd, 2012 by proletin

Du bist vielleicht gerade empört. Darüber, dass jemand — nämlich die Prolet☭in, also ich — die Frechheit besitzt, das Wort Prolet/-in zu benutzen. Du denkst dir: Ist das nicht unfassbar abwertend? Ist das nicht schrecklich beleidigend und entwürdigend, diskriminierend? Du denkst vielleicht weiter und knüpfst an die allerletzte scheißheiße Theorie, die du auf der Uni gelernt hast, an: Durch diese sprachliche Markierung wird ein ganzer Menschenschlag erst hervorgebracht! Da macht eine aus Menschen ProletInnen, indem sie sie so nennt!

Aber, Leser☭in, du kannst beunruhigt sein: Nein, die Klassengesellschaft lässt sich nicht durch Sprachfirlefanz abschaffen. Nein, MitarbeiterIn oder ArbeitnehmerIn zu sagen, führt nicht zur Verbesserung der Lage der lohnabhängigen Klasse. Und, nein, ich bringe diese Klasse nicht durchs Sprechen hervor; sie existiert bereits, seit mehr als 150 Jahren. Und ich erlaube mir lediglich, ihre Lage sprachlich hervorzuheben. Denn Lohnabhängige sind nun mal schlicht: angeschissen.

Was diese Gesellschaft zur Klassengesellschaft macht; wie das Proletariat immer wieder hervorgebracht wird; wie sich seine Lage gestaltet; wie Kritik an diesen Verhältnissen geht, und wie nicht; das und Vieles mehr wird hier in Zukunft Thema sein.